Das Scenario Fanatico stellt sich vor...



Das Scenario Fanatico ist eine Ultra-nahe Eishockeyfanbewegung, die sich durch die etwas andere Art und Weise im Erdinger Eishockeystadion zu benehmen weiß. Wir stehen für gewaltfreies Eishockey ohne Pyrotechnik und den bedingungslosen Support unserer Erding Gladiators.
In einem Satz: No one likes us - We don´t care!

Wir sind bunt, wir sind laut, wir stehen für unsere Mannschaft und füreinander ein.
Wir stehen für bedingungslosen Support der Erding Gladiators.
Wir lehnen Gewalt und Straftaten unter dem Deckmantel des Ultra-tum´s ab - Hooligans haben bei uns nichts zu suchen.


Wie alles begann...



Unser Gründungstag, der Tag an dem jeder Scenaristi Jahr für Jahr eine Kerze anzündet, ist der 16. März 2002.

Tom verbrachte seine wertvolle Zeit wieder einmal im "World of Football" in München ( inzwischen geschlossen ) und kam mit dem Fußball Fanzine "Elf Freunde" zurück. Darin fand sich ein Bericht über die aufkommende bzw. bereits bestehende Ultra Bewegung im deutschen Sport.


Namensfindung...



Nachdem der Artikel unser aller Herz erobert hatte, beschlossen wir uns nahtlos in den Auf - und Niedergang der Erdinger Fanclub Szene einzureihen. Und schon standen wir vor unserem ersten Problem, wie sollen wir heißen???

Nachdem Vorschläge wie "Ultras - Erding„ aus politischen gründen in Erding nicht möglich erschien und uns eine Welle der Empörung entgegen schlug, suchten wir im weiteren Umfeld einen passenden Namen für eine Fangruppierung wie die Unsere.

Da unser Ruf bereits im Vorhinein zerstört war, einigten wir uns nach langen hitzigen Diskussionen auf den Namen "Scenario Fanatico" mit dem Zusatz "ultranahe Bewegung" um unsere Einstellung zum Sport und dem Support zum Ausdruck zu bringen.


Da waren wir also - und nun?



Unser Gründungszeitpunkt war sehr unglücklich genau zum Ende der Eishockeysaison 2001/2002 gewählt. Nach dieser Saison konnte die Führung des Oberliga Teams der "Erding Jets GmbH" aus finanziellen Gründen den Etat für die folgende Saison nicht sichern und zog sich aus den Etagen des deutschen Eishockey Spitzensports in die Niederungen der Bezirksliga Ost zurück.

Der Spielbetrieb ging zurück an den TSV Erding und fortan traten wir wieder mit Namen und Logo aus den "guten alten Tagen" an.


Die ersten Schritte



Der Großteil der Erdinger Fangemeinde war verzweifelt bis am Boden zerstört und die existenzielle Angst des Erdinger Eishockeys war klar zu erkennen. Die Treuesten der Treuen schworen sich auch in den Niederungen der Bezirksliga zu unserem Team zu halten.

Den Sommer verbrachten wir mit endlosen Diskussionen ob und wie es weitergehen könnte und beschlossen abzuwarten was wir beim ersten Spiel sehen würden. Die zu erwartenden Spiele in der Vorbereitung auf die Saison 2002/2003 ließen nichts Gutes ahnen, da die Gegner alle eine oder zwei Ligen höher spielten als wir. Wie man sich doch täuschen kann. Wir entwickelten uns zum wahren Angstgegner für Bayern- und Landesligateams und fuhren in fast jedem Spiel Siege ein, was die Vorfreude auf die ersten Punktspiele nur noch weiter steigerte.

Die Struktur unserer Fanbewegung wurde von Spiel zu Spiel genauer erkennbar. Unsere erste Innovation waren sogenannte Doppelhalter (2 Stöcke mit Stoff dazwischen) in den Vereinsfarben Grün und Weiß und der Entwurf unseres ersten Logos. Danach folgte unsere erste eigene Zaunfahne und sogleich machten wir uns daran Choreographien zu den jeweiligen Heim - und Auswährtsspielen zu entwerfen.


Die Philosophie



Hach, wie schnell die Zeit doch verging, nach nur einem Jahr in der Bezirksliga, in dem man reihenweise die Gegner zweistellig vom Eis ballerte, setzte der TSV seinen Siegeszug auch in der Landesliga 2003/2004 weiter fröhlich fort.

Wer den TSV erst seit ein paar Jahren verfolgt und die Zeit in der Bezirksliga verpasst hat, dem sei gesagt, es ist nicht schlimm bei -21 ° C in Freising im offenen Stadion zu stehen solange man seine Mannschaft mit Leidenschaft spielen sieht und danach ein Feuerwerk sondersgleichen veranstaltet. Solche Erfahrungen stärken nur, sowohl die Mannschaft, die mit den Widrigkeiten der Liga zu kämpfen hat, als auch unsere Fans.

Bereits in diesem ersten Jahr entwickelte sich aus diesem Haufen von Chaoten eine Truppe von Eishockeyverrückten. Waren wir bisher doch eher im Hintergrund der Erdinger Fanblockszene gewesen so standen wir plötzlich im Rampenlicht. Nicht immer positiv, aber hey, wir waren jung und hatten das Geld für den ganzen Schrott.

Damals entwickelte sich die Philosophie nach der wir jahrelang lebten.

Erst Erding, dann der Rest.

Das Verlangen den TSV bei jedem Spiel zu begleiten, wirklich bei jedem Spiel (Grüße nach Bayreuth an die Bandits, gibt es euch Pappnasen überhaupt noch?), wurde zur Gewohnheit. Wochenenden wurden nur noch um die Spiele herum geplant. In Schule, Studium oder Arbeit wurden Entwürfe für neue Fahnen, Doppelhalter und Choreos entworfen - R.I.P Bender. Anstatt in den Tag zu leben, lebten wir für den TSV. Eine Zeit die niemand von uns missen möchte, auch wenn viele Leute aus der damaligen Zeit mittlerweile den Kontakt zur Fanszene und das Feuer etwas verloren haben.


Die Evolution



Der TSV spielte also als Aufsteiger in der Landesliga und nur ein Jahr und eine erfolgreiche Saison später stand, kurz vor dem 2.Geburtstag des Scenario Fanatico, unser erster echter Härtetest auf dem Weg zurück auf die Eishockey-Landkarte bevor. Nach einer makellosen Vorrunde und einem Ritt auf der Rasierklinge in der Meisterrunde hatten wir es bis ins Landesliga-Halbfinale geschafft. Nur noch ein Gegner stand dem Traum Bayernliga, mit dem man 2002 angetreten war und mit dem niemand so schnell gerechnet hatte, im Weg: Der TSV Peißenberg.

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass auch der Verlierer dieses Duells in der Bayernliga aufsteigen sollte. Das war uns auch egal, die Saison sollte würdig gekrönt werden und das wurde sie auch. Nach einem deutlichen 4:1 im Heimspiel fuhren wir mit für die Landesliga aberwitzigen drei Großbussen nach Peißenberg und über 300 Erdinger sahen am Ende einen 1:0 Auswärtssieg und stürmten danach feiernd das Eis.

Und was war das für eine Saison. Sie war vollgepackter denn je mit Choreos in Papier und Feuer. Hunderte von Euro gingen für Bengalen, Folien, Pappen und sonstige Materialen über die Ladentheken. Dass sie auch vollgepackt war mit mehr Konfrontationen auf der Tribüne darf man nicht unter den Tisch fallen lassen.

Aber nicht nur Feinde haben wir uns gemacht, im späteren Finale freundeten wir uns mit den Fans des EV Pegnitz an. Eine Freundschaft die über die Jahre die unglaublichsten Erlebnisse hervor brachte. Oder wer hat schon die Chance mit dem mehrmaligen Top-Scorer der Bayernliga mitten in der Nürnberger Innenstadt vor einem Bundesliga-Spiel saufen zu gehen? Die schmutzigen Details lassen wir an dieser Stelle lieber weg.

Wer dabei war wird es niemals vergessen und das ist auch gut so.

Mit Big Ben aka Donut ist in Sachen Choreos eine echte Unterstützung zu uns gestossen. Unsere Ideen werden des öfteren von bereits gehaltenen Choreos anderer Vereine inspiriert aber nicht kopiert. Es ist beeindruckend zu merken, wie viele verrückte Ideen so ein bunter Haufen doch produzieren kann. Fast zu jedem Spiel haben wir eine passende Choreo gemacht, was uns Zeit, Geld und Nerven kostete aber im Endeffekt immer wieder zu neuen Sachen anspornt.


Die Rückkehr in alte Gefielde



Nach dem Aufstieg in der Bayernliga kam noch deutlich mehr Bewegung in unsere Strukturen. Immer mehr jüngere Fans schlossen sich unserer Art Eishockeyspiele zu zelebrieren an, wir wurden von allen Seiten anerkannt und obwohl wir über die Jahre bis zum Aufstieg in der Oberliga so manche Schlacht schlagen mussten, so blieben wir uns doch immer treu.

Mit der Zeit ließ der Elan bei einigen Gründungsmitgliedern bedingt durch Familie, Beziehung oder Job nach. So manch einer kehrte dem Eishockey sogar ganz den Rücken. Trotzdem wurden wir immer mehr. Wir schlossen neue Freundschaften und es entwickelten sich neue Rivalitäten. Nicht nur wir veränderten uns, der TSV tat es auch.

Auf einmal waren wir die Erding Gladiators, ein Name mit dem wir uns erstaunlich schnell anfreunden konnten. Es wurden neue Lieder und Schlachtgesänge getextet und erste Versuche unternommen das grandiose Logo, das hoffentlich nie durch einen billigen Abklatsch ersetzt wird bei dem man nicht mal mehr erkennt um welche Sportart es sich handelt, in Choreos und Doppelhalter zu übernehmen. Mit der Zeit wurde uns allen schnell klar, dass dieser Verein irgendwann der Bayernliga entwachsen wird.

Von Anfang an etaiblierte sich die Mannschaft in der Liga, die zu großen Teilen immer noch aus den Erdinger Jungs bestand, die 2002 halfen den Karren aus dem Dreck zu ziehen und die Abteilung am Leben zu halten. Legendäre Spiele über die Jahre wechselten sich so manches Mal mit uferlosen Auftritten ab, unserem Elan und unserer Leidenschaft schadetet dies aber in keinster Weise. Wir spielten so manches heiß umkämpfe Derby gegen unsere "Freunde" aus Dorfen, erreichten immer wieder die Play-Offs und mussten sogar einmal in die Play-Downs gegen die Falcons aus Pfronten, mit denen wir seitdem eine fast schon innige Freundschaft pflegen.

So richtig "ernst" mit dem Thema Aufstieg wurde es aber erst in den letzten Jahren.

Nach der Saison 2009-2010 schrieb ich mir folgendes Fazit von der Seele:

"Der Sommer war viel zu lang, die ersten Spiele haben aber schon gezeigt, dass das Warten sich gelohnt hat. Die Gladiators präsentieren sich vor allem Auswärts bärenstark und ziehen als bestes Auswärtsteam in die Zwischenrunde ein. Fast hätte es mit dem Halbfinale geklappt, aber die damaligen Gegebenheiten ließen nicht mehr zu.

Die Saison hat trotzdem Spaß gemacht, die Gladiators haben den Großkopferten der Liga gezeigt, dass es nicht immer nur auf Namen und Zahlen ankommt, sondern auf Teamgeist und den unbändigen Willen, dem Gegner so richtig die Hölle heiß zu machen. Aber nicht nur die Gladiators waren zufrieden mit der Saison.

Das Scenario wächst und macht sich immer mehr einen Namen. Wir haben unser Ziel erreicht, wir waren im Gespräch, wir waren immer da wo die Gladiators waren und wir werden immer mehr. Es ist vor allem eine wahre Freude zu sehen, dass vor allem der "Nachwuchs"immer mehr bereit ist, sein ganzes Engagement in den Sport zu stecken. Heute mag noch der eine oder andere Neidhammel von anderen Guffel-Vereinen spöttisch über uns ablästern - interessiert uns nicht du Eimer - in Zukunft wird das Scenario noch mehr und noch lauter hinter den Gladiators stehen. Ganz egal wie weit, ob es stürmt oder schneit."


Die Sensation



Der Hunger auf mehr war geweckt.

Das Ziel, der Aufstieg, die Worte die niemand so richtig aussprechen wollte zur damaligen Zeit, all das war plötzlich in Reichweite. Die Mannschaft funktionierte, die Fans funktionierten, der DEB funktionierte ausnahmsweise auch indem er Strukturen in der Oberliga schuf, die einen Aufstieg für einen kleinen Verein wie Erding möglich machten.

So wirklich daran geglaubt haben wir nicht, zu namhaft waren die Spieler der anderen Teams. Zu schmerzhaft war die Erfahrung in Miesbach im Vorjahr gewesen, das ein einzelner so vielen Menschen schaden kann durch Willkür. Was die Gladiators dann aber die ganze Saison aufs Eis zauberten, was sich zu uns auf die Tribüne, den Block und das ganze Stadion ausbreitete war wohl mit die großartigste Erfahrung die wir seit unserer Gründung machen durften.

Eine beinahe makellose Saison wurde am Ende zwar nicht mit dem Meistertitel belohnt, jedoch nach einigem Warten mit dem Aufstieg.

Für das Scenario war es eine ähnlich makellose Saison. Fast zu jedem Spiel waren wir in großer Zahl unterwegs, die Unterstützung war überragend egal wo und egal wann. Nach vielen Jahren konnte in Erding wieder mehrmals "Ausverkauft" gemeldet werden. Die ganze Stadt wurde mitgezogen von der Leidenschaft der Mannschaft auf dem Eis und der Fans auf den Rängen. Das zweite Finalspiel in Sonthofen stellte für die meisten unserer Mitglieder wohl den Höhepunkt unserer Geschichte dar. Zwar konnten wir der Superstar-Truppe in diesem Spiel den Titel nicht entreißen, aber wer dabei war, wer erlebt hat wie aus 6 Bussen hunderte grün-weiße Schlachtenbummler stiegen, wie sich auf den Rängen am Ende über 500 Erdinger die Seele aus dem Leib schrien um der von Grippe geschwächten Mannschaft das letzte Quäntchen an Energie zu geben, der weiß was es bedeutet ein Scenaristi mit Leib und Seele zu sein.


Der Status Quo



Gab es in der Saison 2011/2012 noch breite Unterstützung für die kaum verstärkte Truppe des Bayernliga-Vizemeisters und das trotz des letzten Tabellenplatzes und dem Verpassen der Play-Offs, so drehte der Wind in der Saison 2012/2013 in eine unschöne Richtung.

Differenzen innerhalb der Fangruppierungen der Erding Gladiators sorgten für eine erneute Spaltung des Blocks. Angriffe erzeugten Gegenwehr der anderen Partei und statt sich auf das Wesentliche - nämlich die Unterstützung der Mannschaft - zu konzentrieren, verloren sich die Parteien in einen Kleinkrieg im eigenen Stadion. Viele dumme Aktionen erzeugten mehr Missmut der Gegenpartei und so hat diese Spaltung auch ihre Spuren auf den Rängen des Erdinger Eishockeystadions - oder auch des Deggendorfer Stadions - hinterlassen. Die Stimmung auf der Tribüne war zu diesem Zeitpunkt nahezu komplett erloschen.

Ein Zustand der für uns untragbar ist.

Wir sind weiterhin das Scenario Fanatico Erding.

Wir sind weiterhin bunter, lauter und immer da wo die Gladiators sind.

Wir sind nicht perfekt, aber wir brennen gemeinsam mit allen unseren Freunden und Wegbegleitern für Erding.

Wir sind wir, wir sind anders!